• Lea

REZENSION: SILBER - DAS ERSTE BUCH DER TRÄUME VON KERSTIN GIER.


Titel des Buches mit stark verzierten Einband. Im Fokus steht ein Auge.
Buch-Cover

Die 15-jährige Liv (Olivia) Silber zieht bei der neuen Familie des Lovers ihrer Mutter ein und erhält so nicht nur eine Stiefschwester, sondern auch gleich einen Stiefbruder dazu, der obendrein noch ein Geheimnis mit sich rumträgt. Liv, die Rätsel über alles liebt, versucht gleich herauszufinden, worum es geht, und stürzt dabei nicht nur in die erste Liebe, sondern auch ins Abenteuer, denn seit der Begegnung mit ihrem Stiefbruder, kann sie plötzlich sehr real träumen und sich an alles erinnern, was nachts passiert ist. Außerdem teilt sie diese Gabe mit fünf weiteren Menschen und einem Dämon – aber Stop! Dämonen gibt es gar nicht wirklich, oder?

 

„Silber – das erste Buch der Träume“ ist eine fantastische Liebesgeschichte für Mädchen und junge Frauen, die über den Tag und die Vernunft hinausgeht. Kerstin Gier schafft es, mir als Leserin schwierige Situationen wie das Einleben in eine Patchwork-Familie oder den ersten Tag an einer neuen Schule humorvoll näherzubringen. Sie schreibt wunderbar leicht und begeisternd, sodass sie auch mich, als Liebesgeschichten-Skeptikerin mitreißt. Tatsächlich muss ich mich für meine Rationalität entschuldigen, da mein Freund mir klarmachte, dass die Sätze, die Henry am Ende des Buches von sich gibt, absolut in Ordnung und nicht zu kitschig sind 😉.


Liv, die Hauptfigur der Geschichte, ist eine Einzelkämpferin und die Menschen, an denen ihr etwas liegt, kann ich an einer Hand abzählen: ihre Schwester Mia, das Kindermädchen Lottie, womöglich ihre Eltern und natürlich Henry, der umwerfende Junge, den Liv bereits im ersten Kapitel wahrnimmt, doch erst viel später kennenlernt. Ich sage es gleich mal vorneweg: Ich bin kein Fan von Henry und traue ihm bis zum Ende des Buches nicht über den Weg, warum erfahrt ihr weiter unten im Spoiler-Part. Ich liebe Liv’s Rationalität in Bezug auf Rätsel und Dämonen und bin gespannt, ob sie es wirklich schafft, den Dämon der Nacht auszutricksen. Allein dafür lohnt sich das Weiterlesen auf jeden Fall.


Bestimmt fragst du dich, warum ich das Buch überhaupt gelesen habe, wenn ich nicht so richtig auf Liebesgeschichten stehe. Hinzukommt, dass es ja auch nicht erst gestern erschienen ist. Fakt ist, dass es mir bereits bei der Veröffentlichung ins Auge gefallen ist und ich ein wenig Angst hatte, es zu lesen, denn: Die Idee mit dem bewussten Träumen und die Möglichkeit, die eigenen Träume steuern zu können, habe ich auch in meinem dritten und vierten Buch aufgegriffen. Glücklicherweise kann ich immer noch zahlreiche Unterschiede zwischen Kerstin Giers „Silber“ und meiner Geschichte ausmachen. Hier meine Einschätzung zu Silber:

  • Genre: Fantastischer Liebesroman

  • Zielgruppe: eher weiblich, 12-20 Jahre

  • Spannung: 3 von 5 Sterne (leider hat die Geschichte einen kleinen Durchhänger)

  • Spaß: 5 von 5 Sterne (sehr humorvolle und leichte Schreibweise)

  • Charaktere: Abwechslungsreich, tiefgehend und harmonisch

  • Leseempfehlung: Dieses Buch lässt sich gerne und gut mal nebenbei lesen. Als Vollzeit-Arbeitende habe ich ungefähr eine Woche gebraucht, doch ich bin mir sicher, es gibt Menschen, die es an einem Tag gelesen hätten. Im Gegensatz zur Edelstein-Trilogie würde ich es allerdings erst einmal nicht wieder lesen, da es mir zu viel Love-Story und dafür zu wenig Spannung beinhaltete. Wer jedoch auf ein Liebesabenteuer hofft, der / die wird von diesem Buch definitiv nicht enttäuscht 😊.



DEEP DIVE - ACHTUNG SPOILER!

Wer noch mehr über meine Meinung und Einblicke in „Silber – Das erste Buch der Träume“ wissen möchte, ist hier genau richtig. Ich werde hier das ein oder andere Detail ausplaudern, das mir während des Lesens der Geschichte in den Sinn gekommen ist. Zum Teil findet ihr hier aber auch offene Fragen, die hoffentlich in Teil 2 und 3 von Silber noch beantwortet werden.


ALLGEMEIN.

Das Buch „Silber – Das erste Buch der Träume“ von Kerstin Gier lässt sich sehr leicht lesen, ist humorvoll geschrieben und erlaubt es mir als Leserin, ohne Schwierigkeiten in die Welt der Träume einzutauchen. Mein Lieblingskapitel war tatsächlich das vierte, obwohl dort kaum inhaltlich wichtige Aspekte eingebracht wurden. Die Einarbeitung von verspielten und absurden Gedanken ist der Grund, weswegen ich Kerstin Giers Geschichten so sehr mag: Sie machen einfach Spaß. Außerdem waren die Seiten mit den Ornamenten sehr ansprechend gestaltet und bildeten einen Kontrast zur kantigen Schriftart. Tatsächlich finde ich es ein bisschen schade, dass Anabel (Personenbeschreibung weiter unten) die ganze Zeit als Schuldige herausgestellt wird, nur weil sie Sex hatte. Am Ende kommt zwar heraus, dass der Sex nur ein erfundener Vorwand für den Aufbau einer Falle war, doch es vermittelt den Eindruck, dass Sex etwas Schlechtes oder Schamhaftes sei. Außerdem werden dicke Menschen an ein paar Stellen abfällig dargestellt, was ich nicht gutheißen kann.


PERSONEN UND BEZIEHUNGEN.

FAMILIE.

Um Livs Charakter zu verstehen, ist es notwendig zuerst einmal einen Blick auf ihre Mutter zu werfen. Sie ist Professorin und nimmt Arbeitsplätze in der ganzen Welt an, sodass sie und die Kinder regelmäßig umziehen müssen. Liv und ihre Schwester Mia wollen eigentlich endlich sesshaft werden. Als Leserin frage ich mich hier, weshalb die Mutter überhaupt das Sorgerecht für die Kinder hat, denn immerhin scheint sie sehr risikobereit zu sein, ihre Kinder immer wieder zu vergessen und tatsächlich auch gemein zu ihnen zu sein.


Folglich ist es selbstverständlich, dass Liv keine besonders gute Beziehung zu ihrer Mutter hat und auch keine tiefergehenden Freundschaften pflegt. Meiner Meinung nach hat Liv durchaus eine gewisse Risikobereitschaft von ihrer Mutter gelernt und setzt daher manchmal mehr auf’s Spiel als ihr guttut. Dass sie für ein paar fremde Leute an irgendeiner gruseligen Zeremonie (sich schneiden und Blut trinken?) teilnimmt, lässt sie auf mich ein wenig naiv wirken.


Das Kindermädchen Lottie nimmt dafür einen wesentlich größeren Platz in Livs und Mias Herzen ein – und nun soll Lottie gekündigt werden? Das ist ein Horror-Szenario für Liv. Da Liv und Mia in recht unstabilen Verhältnissen aufwuchsen, sind sie für ihr Alter sehr selbstständig. Tatsächlich kann ich zwischen Liv und Mia nur dadurch einen Altersunterschied ausmachen, dass sich Mia noch nicht für Jungs interessiert. Ansonsten scheint sie mit ihren 12 Jahren genauso „erwachsen“ zu sein wie Liv. Tatsächlich ist Mia extrem schlagfertig und ich habe nicht das Gefühl, dass sie beschützt werden muss. Was Mia und Liv verbindet, ist ihre Liebe zu Geheimnissen und Rätsel und ich bin mir sicher, dass Mia noch ihre Rolle im Buch spielen wird.


DER DÄMONENZIRKEL.

Der Dämonenzirkel (die Benennung stammt von mir und nicht von Kerstin Gier) besteht aus fünf Personen. Sie verbindet ein gefährliches Spiel mit einem Dämon, auf das ich im nächsten Abschnitt noch einmal genauer eingehe. Wichtig ist hier nur, dass ihnen für die Befreiung des Dämons ihr größter Wunsch erfüllt wird.


Die vier Jungs aus dem Dämonenzirkel sehen gut aus und spielen gemeinsam in der Basketball-Mannschaft der Schule. Generell weiß ich nach Ende des Buches nicht besonders viel über die vier, was es mir sehr schwer macht, sie einzuschätzen. Hier ein grober Überblick:


Der Anführer der Gruppe ist Arthur, auch wenn er nicht offiziell als Anführer beschrieben wird. Er ist definitiv irgendwie vernebelt. Entweder vom Dämon selbst oder von seiner Liebe zu Anabel. Ihm ist nicht zu trauen – auch wenn er die Fäden nicht selbst in der Hand hält.


Sein größter Wunsch: unbekannt (Verdacht: Tot des Exfreundes von Anabel, denn zwischen diesem und Anabel soll immer mal wieder etwas gelaufen sein und nun ist er tot.)


Grayson ist Livs neuer großer Bruder. Er hat eine Zwillingsschwester namens Florence und eine Freundin namens Emily. Insgeheim glaube ich jedoch, dass die Beziehung zu Emily eher auf Einseitigkeit beruht und Grayson eigentlich auf Liv steht. Mal schauen, ob sich daraus noch etwas entwickelt. Generell versucht er, Liv auf Abstand zu halten – sowohl was die Dämonensache betrifft als auch von ihm als Person.


Sein größter Wunsch: Gesunde Gene für sich und seine Schwester (ihre Mutter ist an einer Huntington-Mutation verstorben)


Tatsächlich ist mir Henry sehr unsympathisch. Er wird bereits im ersten Kapitel eingeführt, wodurch seine Wichtigkeit im Buch betont wird. Liv fährt total auf ihn ab, weil er Gedichte zitiert, Rätsel mag und Gitarre spielen kann – quasi eine Blaupause von ihr. Henry geht auch nicht zimperlich ran. Zunächst dachte ich, er würde nur im Traum mit Liv Händchen halten und rummachen, aber zum Glück tut er das später im Buch auch endlich in der Realität und macht kein Geheimnis mehr daraus. Ich bin mir nicht sicher, warum er Liv verführt, denn nach dem Kenntnisstand, den er hat, würde er durch einmal Sex mit Liv das Dämonenspiel sabotieren, was ja angeblich grauenhafte Folgen haben wird. Wenn er sie tatsächlich lieben würde, würde er genau wie Grayson Abstand zu ihr halten. Außerdem weiß ich über Henry, dass er eine vierjährige Schwester hat und der Haussegen schiefhängt, denn seine Mutter ist vermutlich Alkoholikerin und vermutet, dass sein Vater eine neue Freundin hat.


Sein größter Wunsch: Angeblich eine Person, in die er sich verlieben kann.


Rasierspaß-Ken / Jasper wirkt ein wenig einfältig und ich bin mir nicht sicher, wie er in die Runde passt. Liv sollte sich besser an ihn halten, wenn sie mehr herausfinden soll.


Sein größter Wunsch: Siege in der Basketball-Liga


Zum Dämonenzirkel gehört aber auch Anabel, die Freundin von Arthur, die wohl das Dämonenspiel angeleiert hat. Zunächst scheint sie unglücklich und verletzlich, doch am Ende kommt heraus, dass sie die Jungs allesamt ausgenutzt hat. Um den Dämon zu befreien, benötigte sie das Blut der vier Jungs und wohl das Blut einer Jungfrau. Daher schmiedet sie einen Plan, um an Liv heranzukommen. Ihr Plan muss allerdings schon begonnen haben, bevor Liv da war, denn sie hatte eigenhändig ihren Hund getötet, um die vier perfekten Jungs an der Stange zu halten. Der Zeitpunkt, wann sie mit ihrem Plan angefangen hat, ist mir noch unklar. Am Ende der Geschichte ist sie in einer Psychatrie, kann sich aber in den Träumen weiterhin frei bewegen.


Ihr größter Wunsch: unbekannt


TRÄUME UND DIE TRAUMWELT.

Der für mich wichtigste Aspekt, weshalb ich das Buch an erster Stelle gelesen habe, ist der Aufbau der Traumwelt. Wie funktioniert sie? Was ist alles möglich? Und wo sind die Grenzen? Ich versuche hier zu rekonstruieren, was ich nach dem ersten Silber-Teil über die Träume gelernt habe.


Alle Menschen besitzen eine Traumwelt, in der sie ihren schönen wie auch schlechten Träumen machtlos ausgeliefert sind. Die Traumwelt kann durch eine Tür, die in jedem Traum auftaucht, verlassen werden. Leider kann kaum jemand diese besondere Tür im Traum wahrnehmen. Wenn mir jedoch im Traum bewusst wird, dass dieser Ausgang existiert und ich ihn sehe, bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich meine Träume steuern kann. Alles, was ich mir vorstelle, kann im selben Moment real werden. Ich kann von anderen Menschen oder Tieren träumen, ich kann mich selbst verwandeln (z.B. brauche ich plötzlich keine Brille mehr) und das Beste ist: Ich kann mich am nächsten Morgen noch an alles erinnern. Das bedeutet natürlich auch, dass wenn ich etwas verarbeite, das tagsüber geschehen ist, mein Unterbewusstsein mir sehr viele Details präsentieren kann, die mir in der Realität entgangen sind. Aber wie komme ich überhaupt in den Genuss, den Ausgang aus meiner Traumwelt sehen zu können? Können das alle ab und zu? Wer entscheidet darüber, ob man diese Tür sehen kann? Muss ich vom Gebieter der Träume „Lulila“ auserwählt werden? Die Antwort auf diese Frage bleibt mir Kerstin Gier erst einmal schuldig.


Habe ich meine Tür erst einmal wahrgenommen, kann ich meine Traumwelt durch diese verlassen. Ich gelange in einen eher düsteren Hausflur, an dessen Wände sich eine Tür neben der anderen befindet. Jede Tür gehört zu einem Menschen und führt in dessen Traumwelt. Die Türen sehen alle unterschiedlich aus, entsprechend den Charakteren der Personen. Ich kann mir vorstellen, dass sich die Türen im Verlauf der Zeit verändern. Wenn wir z. B. neue Charakterzüge annehmen oder andere Interessen verfolgen. Für diese Theorie würde zumindest sprechen, dass Arthurs und Anabels Türen sehr ähnlich sind, denn als Pärchen beeinflussen sie sich stark gegenseitig. Interessant ist, dass die Türen immer wieder ihre Plätze wechseln und zum Teil gesichert sind. Ich kann andere Personen in ihren Träumen besuchen, wenn ich


(1a) die offizielle Erlaubnis von der anderen Person habe oder

(1b) einen Gegenstand von ihr besitze oder

(1c) alternativ kann ich wohl auch dessen Blut trinken und

(2) die Sicherung der Traumwelt überwinde.


Jemand anderes kann mich auch mit in eine dritte Traumwelt nehmen, wenn er oder sie die dritte Traumwelt besuchen darf. Sollte ich eine andere Person besuchen, die plötzlich aufwacht, wird um mich herum alles schwarz. Ich falle quasi in ein dunkles Loch und stecke dort fest, bis ich selbst wieder aufwache. Was passiert, wenn ich meine Traumwelt verlasse und es ist noch jemand drin. Sitze ich dann ebenfalls in einem schwarzen Loch? Das führt mich gleich auch zu der Frage, was mit mir in der Realität passiert, wenn ich mich im Traum verletze oder gar sterbe?


Wenn ich in der Lage bin, die Traumwelt einer anderen Person zu besuchen, habe ich Macht über sie. Ich kann die tiefsten, unterbewussten Wünsche, aber auch deren Ängste kennenlernen, da diese unterbewusst in den Träumen auftauchen und ich sie sogar provozieren kann, indem ich den Traum der anderen Person verändere. Somit kann ich mein Wissen ausbauen und andere beherrschen.


Eine weitere Frage, die mir zu den Träumen noch unter den Fingernägeln brennt: Warum musste Grayson relativ am Anfang aus seiner Traumwelt raus und wieder reingehen? Noch wirkt es auf mich, als hätte Kerstin Gier einen Impuls gebraucht, dem Liv folgen kann – eine Richtung, in die Liv losgehen kann. Eine rationale Begründung sehe ich noch nicht. Grayson träumt von einem Friedhof, auf dem die Jungs ihre Dämonenbeschwörung durchführen. Alle Jungs müssen hier in einer Traumwelt zusammen sein. Laut der Logik müssten sie sich bei Grayson befinden, weil er ja in seine eigene Traumwelt zurückkehrt. Er verlässt also seine Traumwelt und kehrt sofort wieder zurück. Allerdings spricht er einen Zauberspruch, der ihn anscheinend dazu befähigt, die Traumwelten der Jungs zu verknüpfen, ohne dass sie sich gegenseitig besuchen. Weshalb kann Liv dann ohne Zauberspruch dazustoßen? Einfach nur, weil sich Graysons Traumwelt verwandelt hat? Ich hoffe, darüber erfahre ich in den nächsten Teilen mehr.


INHALT DES BUCHES.

Das erste Kapitel glänzt mit einem schönen Einstieg. Er ist lustig, locker und leicht, ermöglichte es mir, einzutauchen – doch worum es geht, war mir hier noch nicht klar. Richtig zur Sache geht es erst ab dem sechsten Kapitel. Nichtsdestotrotz erhalte ich als Leserin im dritten Kapitel einen guten Einblick in den Schulalltag und ich kann einen ersten Blick auf die vier Dämonenzirkel-Jungs werfen. Meine Gedanken aus diesem Kapitel: Liv findet die Jungs nicht attraktiv … wer’s glaubt. Als Leserin war ich sofort der Überzeugung, dass da bald was laufen wird. Außerdem ein Ball, auf den Liv nicht gehen will? Da wird sie sicherlich zu sehen sein (und am besten auch mit ihrer großen Liebe, die einer von den vier perfekten Jungs ist).


Nach dem dritten Kapitel folgt ein kurzer Einschub, der sich im Laufe des Buches immer wieder wiederholt: Herzlich willkommen auf dem Tittle-Tattle-Blog. Willkommen bei Gossip Girl Nr. 2 – geschrieben von Secrecy. Im Laufe des Buches hat sich mein persönlicher Verdacht immer mehr auf Florence als Secrecy gelenkt. Mia und Liv gehen davon aus, dass es Emily ist, und Mia hat es sich zur Aufgabe gemacht, es zu beweisen oder alternativ Secrecy zu entlarven. Wir werden sehen. Noch bin ich mir nicht sicher, was dieser Tittle-Tattle-Blog für eine Bedeutung hat. Bisher hat er jedoch nur geholfen, die Verknüpfungen zwischen den Charakteren genauer zu verstehen.


Willkommen im sechsten Kapitel – die Geschichte kann starten. Anabel hat die Jungs überredet, einen Dämon zu befreien. Im Gegenzug erfüllen sich ihre Herzenswünsche. Wer sich nicht an die Spielregeln hält, verliert das, was ihm oder ihr am wichtigsten ist. Die Ausgangssituation ist angeblich folgende: Der Dämon braucht mindestens eine Person jungfräulichen Blutes – leider hat Anabel eines Tages Sex, sodass keine Jungfrau mehr übrig ist, woraufhin Lulila, der Herrscher über die Träume, angeblich Anabels Hund tötet. Nun brauchen die vier Jungs eine neue Jungfrau, um die Aufgabe zu erledigen – und hier kommt Liv ins Spiel.


So weit, so unklar. Ich habe hier jede Menge Fragezeichen. Erstens kann ich nicht glauben, dass Anabel, die mit Arthur zusammen ist und immer wieder mit ihrem Ex rummacht, noch nie Sex hatte. Warum ist es also auf einmal so schlimm, dass sie keine Jungfrau mehr ist? Und warum wird nur sie bestraft, weil sie Sex hatte? Die Jungs müssten doch auch bestraft werden, weil sie keine Jungfrauen mehr sind und noch dazu haben sie darüber gelogen. Keiner von ihnen ist wirklich so unschuldig, wie sie tun. Warum merkt niemand, dass hier irgendwo eine ganz dicke Lüge in der Luft steht? Und warum benötigt der Dämon unbedingt eine Jungfrau? Will er von jemandem Besitz ergreifen? Ich bin hier auf jeden Fall auf die nächsten Bücher gespannt, auch wenn ich denke, dass die Geschichte der Jungs bis zum Himmel stinkt – auch wenn Liv es nicht merkt.


Zusammengefasst erklärt sich Liv einverstanden, Anabels Platz im Dämonenzirkel einzunehmen, damit die vier Jungs nicht verlieren, was ihnen am wichtigsten ist. Sie glaubt nicht an die Existenz eines Dämons, obwohl die Existenz der Träume dafürspricht. Mir persönlich ist nicht klar, ob der Dämon gut oder schlecht ist. Wenn er schlecht ist, wäre es sinnvoller, das Spiel eigentlich mit Anabels Austritt abzubrechen, denn ansonsten haben sie danach das Problem, den Dämon wieder einfangen zu müssen. Ich hoffe für die fünf, dass der Dämon harmlos ist und gegen seinen Willen gefangen gehalten wird – aber das wäre keine spannende Wendung für die Geschichte. Liv notiert vor der Zeremonie ihren Herzenswunsch:


„Ich wünsche mir, dass Dämonen nicht existieren und daher auch niemanden etwas antun können.“ (S. 294)


Liv hält sich hier für sehr schlau. Ich hoffe, die Geschichte führt dazu, dass der Wunsch alle rettet, denn wenn der Dämon sich nicht selbst für einen Dämon hält, muss er diesem Wunsch nicht nachkommen.


Nach dem Ritual, in welchem Liv Teil des Dämonenzirkels wird, fällt die Spannung leider ab. Es passiert erst einmal gar nichts mehr und ich kann verstehen, wenn hier das Buch einfach zur Seite gelegt und nicht beendet wird.


Im Verlauf der Geschichte wird Stück für Stück aufgebaut, dass Arthur ein schlechter Mensch ist. Er soll dem Ex seiner Freundin den Tod gewünscht haben, sodass er tatsächlich gestorben ist. Nun setzt er seine Freundin unter Druck und will sie im Traum töten – ob das in der Realität Konsequenzen hat, ist nicht bekannt. Ich folge Livs Verdacht vollkommen, als sie jedoch mit Henry darüber spricht, vermute ich, dass dieser Verdacht nicht korrekt ist. Auf dem Herbstball, zu dem Liv natürlich mit Henry geht, glaubt sie, dass Arthur Anabel etwas antun könnte. Diesen Verdacht teile ich wiederum nicht. Es wurde doch zuvor verstärkt darauf hingewiesen, dass das nächste Siegel im Traum gebrochen werden muss. Ich wäre den beiden nicht panisch gefolgt, sondern hätte mich schlafen gelegt, um das Schlimmste zu verhindern.


Am Ende löst Anabel die Situation auf. Sie hat den Jungs etwas vom Pferd erzählt, um herauszufinden, ob sie noch Jungfrau sind. Sie habe eine Falle gestellt, um an Liv heranzukommen. Wie bereits oben beschrieben, frage ich mich, welche Teile des Buches Bestandteil ihres Planes gewesen waren. Sie braucht nun also tatsächlich das Blut einer Jungfrau­ zusätzlich zum Blut der fünf unschuldigen Menschen. Die Jungs kommen dafür nicht in Frage, da sie ja alle zugegeben haben, dass sie schon Sex hatten. Also muss es eine andere Person sein, was zufälligerweise Liv ist. Um die Jungs davon abzuhalten, mit dem Dämonenspiel aufzuhören, bringt Anabel also ihren eigenen Hund um und deklariert das als Folge eines Regelbruchs. Obwohl sie nach eigenen Worten, die Jungs nicht mehr braucht. Weshalb also das Ganze? Und warum konnte Liv ausgerechnet in der Nacht ihre Traumwelt verlassen, in der Arthur, als Anabels verlängerter Arm, eine neue Jungfrau gesucht hat? Außerdem: Wenn es um das Blut einer Jungfrau geht, warum muss Liv dann getötet werden? Reicht nicht ein Schnitt? Und was will Anabel mit der Befreiung des Dämons erreichen?


So schnell und plötzlich der Höhepunkt des Buches gekommen ist, so schnell ist er auch wieder vorbei. Die Spannung ist innerhalb weniger Kapitel von 0 auf 100 und wieder zurückgesprungen. Ich freue mich natürlich, dass Liv sich auf Emily verlassen kann und Henry und Grayson, die beiden Verehrer, so schnell wie möglich herbeigeeilt sind. Ein kleines Goody gibt es für mich am Ende aber noch: Mit einem Cliffhänger, denn Anabel besucht Henry und Liv im Traum und sagt:


„In Wirklichkeit hat es gerade erst begonnen.“ (S. 408)


Anscheinend hat das Blut von Livs Platzwunde doch gereicht, um das letzte Siegel zu öffnen, welches den Dämon gefangen gehalten hat. Und somit möchte ich natürlich auch den nächsten Teil noch lesen, um herauszufinden, wie es weitergeht.




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