• Lea

REZENSION: PARTEM (2) VON STEFANIE NEEB


Cover "Parten - Wie der Tod so ewig" von Stefanie Neeb

Stell dir vor, du lebst 300 Jahre und findest trotzdem noch etwas, für das es sich zu leben lohnt. Das muss Erfüllung sein! Und ein Desaster, wenn du genau dann sterben musst. Partem 2 – wie der Tod so ewig. Bringt uns zurück zu Xenia, Jael, Felix und Chrystal – zurück zu den Liebes-Dieben und dem mystischen Zirkel, dem sie unsere Liebe spenden.


 

„Partem – Wie der Tod so ewig“ ist die Fortsetzung von „Partem – Wie die Liebe so kalt“ (Teil 2 von 2). Somit bleiben wir im Genre Urban Fantasy, doch ich kann der Reihe an wichtigen Themen, die im ersten Teil angesprochen wurden, noch Schuld und Vergebung hinzufügen. Damit ich hier nicht alles wiederhole, was ihr sowieso schon wisst, stelle ich denjenigen, die die Rezension noch nicht gelesen haben, hier noch einmal den Link zur Verfügung:





Gleich zu Beginn stelle ich euch meine absolute Lieblingsstelle aus den beiden Büchern vor. Dieses Mal bringe ich euch nicht nur einen Satz oder einen Absatz, sondern eine ganze Textpassage mit, aber sie sagt so viel mehr als die über 3.000 Worte, die ich i.d.R. für euch zusammenschreibe:


„‚Sagt mal, habt ihr auch so ein komisches Pfeifen auf den Ohren? Ich verstehe kein Wort von dem, was sie sagt.‘

‚Ist bei mir das Gleiche.‘ Akrom nickte. ‚Bei mir auch‘, bestätigte Felix sofort, und nach ihm auch Geno und Jael. Chrystal starrte sie fassungslos an. ‚Und wenn ich das will? Ich bin verantwortlich für das, was euch passiert ist. Ich lebe schon so lange und bin auf nichts davon stolz. Aber hier, jetzt das mit euch … Das ist nicht nur meine Chance, was gutzumachen. Ich hab auch das Gefühl, so gehen zu können. Ich hab mich hier gefunden, bei euch. Ich weiß jetzt, was …‘ ‚Immer noch das Piepsen.‘ Akrom schüttelte den Kopf, als hätte er tatsächlich Wasser in den Ohren.‘“ (S. 388)


Hach, gibt es etwas Schöneres, als Freunde, die zusammenhalten? Und nicht riskieren, ohne den anderen leben zu müssen. Und das Ganze verpackt mit Humor. Wen das jetzt nicht überzeugt, der muss eben doch noch mal das ganze Buch lesen 😉.


Nein, natürlich erkläre ich euch auch dieses Mal wieder ein bisschen was darüber, was im Buch vorkommt. Die Rekruten, wie ich sie im letzten Teil der Geschichte genannt habe, stehlen also immer noch putzmunter die Liebe ihrer Mitmenschen, während Jael verbittert versucht, mehr über Immuniten herauszufinden. Um zu lernen, wie er Xenia retten kann, verrät er sie an den Partem und erhofft sich so, Einblick in deren Machenschaften und Zusammenhänge zu erhalten. Der Plan läuft schief, doch er überzeugt den Partem, dass er Xenia entleeren kann, und gewinnt dadurch zumindest Zeit. Zeit, in der er mehr über seine Situation und dem Wohlergehen seiner früheren Kollegen erfährt und Chrystal sich neu definiert. Gemeinsam kämpfen sie schließlich gegen den Partem, um nicht nur Xenias Leben zu retten.


Tatsächlich hat der zweite Teil der Geschichte viele meiner Fragen beseitigt. Ein paar Fragezeichen sind geblieben, die ich mir selbst mit unsicheren Antworten zusammenreime – von daher nagelt mich bitte nicht auf meine Interpretationen fest und macht euch euer eigenes Bild 😊. Nun aber erst einmal ein Update zum Weltenaufbau, der mir im ersten Teil ein absolutes Rätsel gewesen ist.


WELTENBAU.

Der Partem ist eine Organisation, die das Geheimnis ewigen Lebens entdeckt hat. Das Rezept bleibt geheim, denn Stefanie will schließlich nicht, dass irgendjemand von uns auf die dumme Idee kommt, das selbst zu produzieren. Ausgangspunkt ist der Stein der Weisen von Nicolas Flamel. (Dieser ist keine Erfindung von J.K. Rowling, sondern laut Wikipedia wahrscheinlich tatsächlich eine reale Person, die um 1415 gestorben ist. Um ihn haben sich später ein paar Sagen gerankt. Nichtsdestotrotz musste ich ziemlich kichern, als ich den Namen gelesen habe.) Mit dem Stein der Weisen wurde ein Brunnen geschaffen und als Liebe hinzugefügt wurde, gab es endlich das Ergebnis: Wer davon trinkt, kann ewig leben – zumindest so lange, bis der Brunnen versiegt. Nur 39 Personen dürfen von diesem Brunnen trinken. Diese 39 Personen bilden den Partem.


Das Elixier kann Menschen injiziert werden, wodurch sie zu fleischfressenden Ungeheuern mutieren. Das sind dann die Wächter. Und die Rekruten sind quasi die Diener, die dem Partem die Liebe für deren Brunnen liefern.


Es gibt ein konkretes Schema, wie die Rekruten, also die Diener*innen ausgewählt werden.


  1. Niemand der nahen Familie darf nach einem Unglück überlebt haben.

  2. Die Kinder müssen einem traumatischen Schock unterliegen.

  3. Die Kinder sind, auf welche Weise auch immer, Auslöser für das persönliche Schicksal ihrer Familie.


Geno als Beispiel: Geno will auf einer Zugreise unbedingt den Zugfahrer kennenlernen. Daher haut er von seiner Familie ab und läuft ganz nach Vorne. Die Eltern machen sich auf die Suche nach ihm, doch irgendwie verpassen sie sich und Geno ist zurück auf ihren gebuchten Plätzen, die Eltern in den ersten Waggons des Zuges. Es kommt zu einem Zugunglück und in dem Wagon, in dem die Eltern waren, gibt es keine Überlebenden. Wäre Geno nicht davongelaufen, um den Zugführer kennenzulernen, wären seine Eltern ihm nicht gefolgt und noch am Leben.


Der Partem quält die Rekruten mit ihrem Schuldgefühl und verspricht ihnen, ihre Liebsten von den Toten aufzuerwecken, wenn sie die höchste Stufe erreichen. Somit stellt der Partem sicher, dass ihre Schuldgefühle und ihre Motivation groß genug sind, um die Liebe tatsächlich abzuliefern. In der Realität ist es jedoch nicht möglich, die Toten aufzuerwecken. (Vielen Dank, Stefanie. Das wäre wirklich das erste Buch gewesen, in dem dies ohne Probleme funktioniert hätte. Komischerweise hätte mich diese Option irgendwie gestört.) Fakt ist, dass die Rekruten, sobald sie geliefert haben oder das anscheinend maximale Alter von 20 Jahren erreicht haben, zu Wächtern umfunktioniert werden.


Immuniten sind Personen, die einst mal zum Partem gehört hatten, sich aber gegen ihn gestellt haben. Die Fähigkeit, Menschen mit Liebe zu füllen ist dann anscheinend eine Art Reaktion auf das jahrelange konsumieren des Lebenselixier, was auch an die Nachkommen weitergegeben wird. (Achtung, das ist eine Vereinfachung meinerseits. Im Buch wird ganz kurz darauf eingegangen und das ist, was ich mir unterm Strich mitgenommen habe.) Ein Immunitenherz kann wohl dazu betragen, das Elixier für weitere Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte sicherzustellen, sodass der Partem endlich mal wieder entspannt vor sich hin existieren könnte. Nur blöd, dass Jael überhaupt nicht vorhat, Xenia zu opfern.


HAUPTPERSONEN.

Auch der zweite Teil von „Partem“ wird insgesamt aus vier Perspektiven erzählt, die dieses Mal jedoch noch intensiver zusammenspielen.


Jael ist immer noch einer der fünf Rekruten. Dass er sich in Xenia verliebt, hat er nicht geplant und versucht es zu unterdrücken. Seine Liebe zu Xenia lässt ihn insgesamt emotionaler werden und als sein bester Freund verschwindet, macht er sich Sorgen um ihn. In Partem 2 erlebe ich Jael also stets in einem Spannungsfeld zwischen Zuneigung und der Kälte, die er ausstrahlen muss, um Xenia und sich selbst am Leben zu halten.


Xenia ist Hals über Kopf in Jael verliebt. Sie ist noch risikobereiter als im letzten Partem-Teil und fordert Jael auch immer mal wieder heraus. Sie beginnt ein Doppelspiel mit den Rebellen, um sich selbst das Leben zu retten, denn Jael traut sie trotz der rosaroten Brille nicht hundert prozentig.


Felix ist zwischenzeitlich so verliebt, dass ich schon befürchte, er und Xenia könnten sich auseinanderleben. Ich hätte nicht gedacht, dass er Xenia hinter Chrystal stellen würde, doch die Liebe zu ihr ist tatsächlich alles, was ihn ausmacht – sein Rettungsanker in seinem auseinanderbrechenden Leben.


Chrystal (Chrysilia) gibt nun offiziell zu, dass sie Teil des Partems ist und auf die Jungs aufpassen bzw. ihnen hinterherräumen muss. Sie ist gut, aber nicht gefühllos, was Jael im Laufe der Geschichte bemerkt.


„War es Angst? Angst, die das Blau ihrer Augen verdunkelte? Ein Gefühl etwa?“

(S. 77f.)


Sie selbst ist die Tochter des Erfinders des Jungbrunnens. Sie kämpft dafür, dass die jungen Menschen im Partem mehr Aufmerksamkeit und Achtung erhalten. Aber dieser Kampf ist nicht so leicht, denn die alten Mitglieder sind engstirnig und verbohrt. Später muss sie mit einem bitteren Verlust kämpfen und gleichzeitig die Fassade aufrechterhalten, was sie unglaublich viel Kraft kostet, aber ihr auch eine Entscheidung abringt. Nach 300 Jahren auf der Erde, ist sie bereit, alles hinter sich zu lassen. Schluss mit der ewigen Jugend!


WIE WAR’S DENN JETZT?

Obwohl es bereits ein paar Tage her ist, dass ich den ersten Teil gelesen habe, komme ich innerhalb weniger Seiten wieder in der Geschichte an. Außerdem wird nicht lange in die Geschichte eingeführt, sondern gleich Gas gegeben. Ohne große Wiederholungen startet die Geschichte in einer einnehmenden Geschwindigkeit.


Außerdem waren die Motivationen, inneren Konflikte und die Entwicklung der Hauptcharaktere sehr deutlich zu spüren. Die Beziehungen untereinander wechselten interessant zwischen Zuneigung / Vertrauen und Abneigung / Misstrauen. Dadurch gestaltete sich die Geschichte als sehr spannend und es gab immer mal wieder einen überraschenden Wendepunkt.


Kleinere Fragezeichen hatte ich bei der Rolle der Rebellen und Xenias Vater. Die Kommunikation zwischen ihm und Xenia war meiner Meinung zu einfach gedacht. Womöglich spiegelte dies die Mittellosigkeit der Rebellen wieder, doch die Kommunikation über Essenschachteln wirkt sehr risikoanfällig auf mich. Auch dass einer der Rekruten am Ende ohne Widerrede mit Jael und Chrystal gegen den Partem arbeitet, obwohl er bisher stets der größte Konkurrent Jaels war, halte ich persönlich als naiv. Ich hätte von ihm einen Widerstand oder gar einen Verrat erwartet. Ich freue mich jedoch, dass er augenblicklich den Ernst der Lage durchblickt hat.


Hier meine Buch-Einschätzung

  • Genre: Romantasy, Urban Fantasy

  • Zielgruppe: weiblich und männlich, 14-30 Jahre

  • Einschätzung: 4 von 5 Sterne

  • Leseempfehlung: Mein Highlight ist das Zusammenwachsen der Liebesdiebe. Sämtliche Feindseligkeiten waren auf einmal aus dem Weg geräumt. Auch dass es kein romantisches, unreales Happy End gab, war sehr erfrischend, somit kann ich gerne über die wenigen von mir angemerkten Punkte hinwegsehen.

  • Hier noch zwei meiner Lieblingszitate für euch:


„Angst war wie das Meer. Wenn es zu fluten begonnen hatte, konnte man es nicht aufhalten.“ (S. 83)


„Schwerelosigkeit durchzog seinen Körper. Ihm war, als ob sich in seiner Brust eine Tür öffnete und alles Beengende aus ihm herausfloss. Erleichterung kam von leicht. Von Leichter werden. War es das, was andere dabei fühlten? Das Verlieren von Enge?“ (S. 139)


INHALT DES BUCHES – ACHTUNG SPOILER!

Wer noch mehr über meine Meinung und Einblicke in „Partem“ wissen möchte, ist hier genau richtig. Ich werde jedoch das ein oder andere Detail ausplaudern, das mir während des Lesens der Geschichte in den Sinn gekommen ist.


Das Buch beginnt wieder einmal mit einem recht verwirrenden Prolog, der an den Prolog des ersten Teils anschließt. Tatsächlich löst sich meine Verwirrung im Laufe der Geschichte und plötzlich ergibt alles einen Sinn. Womöglich ist es meine sehr persönliche Meinung, doch für mich hatten die Prologe keinen Mehrwert. Sie waren sehr schwammig, nicht greifbar und ich fühlte mich verloren. Nichtsdestotrotz sind die Prologe sehr spannend – nur eben in einem sehr verwirrenden Kontext.


Nachdem ich den Prolog geschafft habe, geht es endlich los. Jael ist beim Partem und verrät Xenia. Mir gefällt es sehr, dass er bei seinem Besuch etwas lernt, was ihm später beim Kampf gegen den Partem hilft. Zunächst ist mir nicht ganz bewusst, wie viel Zeit seit dem ersten Teil vergangen sind, doch innerhalb der nächsten Kapitel wird von ein paar Tagen gesprochen. Nach nur wenigen Seiten bin ich auch ohne größere Handlungswiederholungen in der Geschichte angekommen und fiebere mit den Hauptcharakteren mit.


Während Jael im Hauptquartier des Partem ist, erhält Xenia eine Einladung von den Rebellen. Die Einladung hängt unter einem Pizzakarton. Von nun an ist der Briefkasten zwischen den Rebellen und ihr die Mülltonne und Essensverpackungen. Hier muss ich leider noch ein paar Gedanken äußern. Wie leicht hätte die erste Nachricht denn bitte übersehen werden können? Wie verdammt aufmerksam ist Xenia, dass sie die leere Pizzaschachtel umdreht und eine Notiz daran entdeckt. Ein bisschen stimmiger ist später, dass Jael den Rebellen erwischt, als er im Müll herumwühlt, um eine Nachricht zu hinterlassen. Das Ganze ist halt auch nicht sonderlich unauffällig.


Unterdessen ist Chrystal hin- und hergerissen. Sie hat Angst davor, den Partem zu enttäuschen und will gleichzeitig Felix und seine Familie retten, den der Partem zieht es in Betracht, diese aus dem Weg zu räumen.


„Ist schön zu wissen, dass du dich nicht angesteckt hast bei deinen kalten WG-Leuten! Dass du noch was fühlst. Hut ab, echt, wie du das durchziehst.“ (S. 88)


Xenias Versuch, Felix vor Chrystal zu warnen, läuft schief, da Chrystal für Felix derzeit das einzige Positive in seinem Leben ist. Währenddessen versucht sich Xenia immer wieder in ihrer Gabe, die Menschen um sie herum mit positiven Gefühlen zu füllen. Aus dem Geräusch eines Scherbengewitters wird bei ihrer Mutter z.B. allmählich ein leises Rieseln.


„Kein Scherbengewitter? Verwundert lauschte sie in sich hinein. Ein leises Rieseln hörte sie, ganz leicht nur im Hintergrund. Es klang fast … schön.“ (S. 96)


Um Felix zu schützen, bittet Chrystal ihren Cousin Elias, alles Mögliche zu tun, um Felix von Dummheiten abzuhalten. Das tut er auch prompt, als Chrystal einmal mehr vom Partem abgeholt wird. Felix folgt der schwarzen Limousine, um mehr über die geheime Organisation herauszufinden. Daraufhin drängt ihn Elias von der Fahrbahn und im Anschluss raubt er ihm die Erinnerungen. Zwar hat Felix dadurch einen großen Schaden am Auto, kann jedoch sein Leben behalten.


Die Rebellen versuchen Kontakt zu Xenia aufzunehmen. Durch ein paar leichte Rätsel stößt sie in einem Eiscafè plötzlich auf einige Utensilien, die nur von ihrem Vater stammen können. Damit ist der Gedanke geboren, dass ihr Vater zu den Rebellen gehört. Jael erlaubt Xenia, während seiner Abwesenheit nach der Karte zu suchen, aufgrund welcher Felix' Schwester im ersten Teil ins Koma gefallen war. Bei der Suche trifft sie jedoch auf Rafi, einem weiteren Rekruten. Gemeinsam finden und reparieren sie die Karte, doch Mitglieder des Partem kommen und holen Rafi ab, um ihn „nach Hause“ zu bringen. Dabei beobachtet Xenia, wie die Menschen lebensgefährlich verletzt werden, dann aber unglaublich schnell heilen. Sie schließt daraus sofort, dass die Menschen unsterblich sind.


Jael, der sich für Rafi verantwortlich fühlt, forscht nach, ob dieser „zuhause“ (im Heim der Rekruten) angekommen ist. Das wird ihm nicht bestätigt, woraufhin Jael beschließt, nach Spanien zu Rafis Wurzeln zu fahren und zu sehen, ob er dorthin gebracht wurde. Xenia begleitet ihn auf dieser Reise.


„1,40 m. Breiter war die Matratze sicher nicht, und sie gab nach, als Jael sich setzte. Jede ihrer Bewegungen würde er spüren, jeden Atemzug hören – heute Nacht. Sie räusperte sich. ‚Wenn du schnarchst, schmeiß ich dich raus.‘“ (S. 230f.)


In Spanien finden sie jedoch nur Rafis frisches Grab auf einem alten Anwesen, das einmal Rafis Familie gehört hatte.


„Kein Wind ging, kein Rascheln von Blättern war zu hören. Die Natur schwieg. Doch in dieser Stille lag ein Vorwurf. Lag Verachtung.“ (S.235)


Rafis Tod löst in Jael unzählige Gefühle aus. Verachtung sich selbst gegenüber. Schuld, weil er Rafi nicht retten konnte. Trauer, aber auch Angst, denn er ist nun misstrauisch, was der Partem mit seinen alten Kolleg*innen angestellt hat. Diese sollten angeblich auch „nach Hause“ gebracht worden sein. Aus diesem Grund fährt er zu seiner früheren Wohnung in Barcelona, doch das Gebäude existiert nicht mehr, da es angeblich nach einem Gasleck eine Explosion gegeben hatte. Über die Tochter eines verstorbenen Journalisten erhält Jael GPS-Daten von einem Ort aus der Schweiz. Als Xenia und Jael dorthin gehen, entdecken sie die Brutstätte der Wächter, wo gerade Jaels ehemalige Kolleg*innen zu Monstern mutieren. Durch ihre Gabe schafft es Xenia, mit ihnen zu sprechen.


„Was sie selbst betraf, war sie sich auch sicher. Jaels Schritte hingegen wirkten so, als würde tiefes Wasser seine Füße umspülen. Er verlor oft den Halt, griff hilfesuchend nach ihrem Arm, und die Wellen, die sich immer wieder von Neuem in ihm aufbauten, bestätigten ihre Vermutung: Jael drohte unterzugehen.“ (S. 358)


Unterdessen bei Chrystal und Felix: Chrystal hatte ihren Cousin Elias darum gebeten, Rafi einen ehrenvollen Tod zu gönnen. Tatsächlich gefällt das dem Partem überhaupt nicht und erwischt Elias, der die Schuld für die geheime Aktion komplett auf sich zieht. Als Strafe wird er ermordet. Das geschieht, indem eine Phiole seines Blutes in den Brunnen der ewigen Jugend geworfen wird. Für jedes Mitglied des Partem existiert eine solche Phiole. Chrystal versucht ihren Schock zu verdrängen, bis sie schließlich wieder im Haus der Rekruten ist.


„Im Bad schaffte sie es gerade noch zur Toilette. Dann brach alles aus ihr heraus. Ein nicht enden wollendes Herauswürgen ihrer Verzweiflung, ihrer Wut, ihrer Hilflosigkeit.“ (S. 278)


Hier frage ich mich zum ersten Mal, wie lange Chrystal das Spiel des Partems schon / noch mitspielt. Sie ist angewidert, teilt deren Ansichten nicht, lässt Jael und die anderen Jungs jedoch immer noch in Unwissenheit. Wie gut, dass Xenia so mutig ist: Sie konfrontiert Chrystal damit, dass sie Felix einfach nicht in Ruhe lassen will, dabei kommt heraus, wie gerne sie eigentlich mit ihm zusammen sein möchte, jedoch Angst hat, ihn zu verlieren. Kurz darauf zieht Xenia in die WG der Rekruten ein.


An dieser Stelle noch einmal ein Kompliment: In „Partem“ ist jede Menge Bewegung. Im Geschichtsfortschritt, den Beziehungen aber auch in der räumlichen Distanz, die die Charaktere zurücklegen.


Endlich schaffen es Xenia und Chrystal, alle Rekruten in einem nicht bewachten Gebäude zusammenzubringen und ihnen zu erklären, dass der Partem sie nur ausnutzt und sie nach ihrem vermeintlichen Erfolg in Wächter verwandelt, anstatt ihre toten Verwandten wiederzubeleben. Jael berichtet dazu noch, was mit Rafi und seiner letzten WG-Mitbewohner*innen passiert ist. Wie oben beschrieben, bin ich ein wenig darüber verwundert, dass Geno, Jaels größter Widersacher sich so einfach überzeugen lässt. Ich hätte erwartet, dass er noch ein paar Mal bequatscht werden muss, bis er Chrystal und Jael glaubt, doch er stellt sich nicht quer. Vielmehr erkennt er den Ernst der Situation sofort und schließt sich den anderen beim Kampf gegen den Partem an, ohne einen Nutzen aus seinem Wissen zu ziehen.


Felix, Xenia und die übrigen vier Rekruten finden schließlich heraus, wie sie den Partem stoppen können. Es gibt hierzu zwei Möglichkeiten: Entweder die Phiolen, von denen alle Partem-Mitglieder je eine abgeben mussten, oder ein Tropfen von Xenias Blut geraten in den Jungbrunnen. Bei letzterem sterben augenblicklich alle Partem-Mitglieder (auch Chrystal) und alle Wächter. (Ich frage mich hierbei, wie sie Xenias Herz dem Jungbrunnen opfern wollten, ohne dass ein einziger Tropfen Blut dort hineingerät.) Natürlich entscheiden sich die „neuen Rebellen“ die Phiolen zu vernichten, anstatt mit nur einem Tropfen Blut auch Chrystals Leben in Gefahr zu bringen. Hierbei hoffe ich wirklich, dass der Partem sämtliche Phiolen mit Namen beschriftet hat, wodurch sie Chrystals Phiole rechtzeitig in Sicherheit bringen können.


Was ist denn nun eigentlich mit den alten Rebellen und Xenias Vater? Tatsächlich besteht die Gruppe der Rebellen aus einer doch recht überschaubaren Gruppe, die keine Chance gegen den Partem hat. Sie „stören“ diesen nur ein wenig. Tatsächlich ist Xenias Vater Teil dieser Rebellion, doch als Xenia von einem Wächter angegriffen wird, rettet er sie und stirbt leider dabei. Da hat Xenia ihren Vater endlich gefunden und dann muss er auch schon wieder gehen. Seine Rolle in der gesamten Geschichte ist mir leider nicht so klar. Für mich ist er wie ein Phantom, doch womöglich wollte Stefanie genau das erreichen: Einen unsichtbaren Schutzengel.


Schließlich kommt es zum Showdown und die neuen Rebellen führen ihren Plan durch. Leider kann sich Chrystals Mutter Felix greifen und bedroht sein Leben. Um das Leben der Freunde zu retten, folgt Xenia Chrystals Aufforderung und lässt wenige Tropfen ihres Blutes in den Jungbrunnen gleiten. Wie geplant sterben nun alle Partem-Mitglieder und auch die Wächter, sodass sich alle an Chrystals Totenbett versammeln.


Die Rekruten kommen mehr oder weniger ungeschoren davon. Natürlich haben sie mit psychischen Problemen zu kämpfen, doch das wirkt sehr realistisch. Felix packt all seinen Verlust und seine Gefühle zu Chrystal in ein Lied und wird ein berühmter Sänger.


Hach, wie schön war denn bitte das Ende? Da ich kein Fan von unrealistischen Happy Ends bin, hat es mich total gepackt und erfüllt. Vielen lieben Dank für diesen tollen Zweiteiler! Ich bin schon gespannt, in welche Welten mich Stefanie noch entführen wird!

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