• Lea

REZENSION: DIE SECHS KRANICHE VON ELIZABETH LIM.

Aktualisiert: 20. Apr.


Buch-Cover: Die sechs Kraniche

Shiori’anma (16), Prinzessin von Kiata, sucht … definitiv keinen Ehemann. Alles, was sie will, ist selbstbestimmt zu bleiben und die Magie, die in ihr ruht, beherrschen. Unterrichtet wird sie dabei von einem Drachen. Doch sie muss aufpassen, denn wenn jemand von ihrer Gabe erfährt, wird sie aus dem Land verbannt. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ihre Stiefmutter eine noch größere Magierin ist? Sobald Shiori davon erfährt und es ihren sechs Brüdern erzählt, verwandelt ihre Stiefmutter die Männer in Schwäne und verschleppt das sechszehnjährige Mädchen – ausgerechnet in den Teil des Landes, in dem ihr zukünftiger Ehemann wohnt. Zufall oder Schicksal?

 

„Die sechs Kraniche“ ist ein fantastisches Abenteuer für Mädchen und junge Frauen, die in eine spannende Geschichte eintauchen möchten. Mein erster Gedanke, als ich den Klappentext las, führte mich zu den Grims Märchen, doch Elizabeth Lims Geschichte hat einiges mehr zu bieten. Ihr Schreibstil ist sehr poetisch. Besonders gefallen hat mir zum Beispiel dieser Satz, der deutlich macht, was ich meine:


„Es war, als hätte jemand diese Erinnerung in Sand verwandelt, der dann aus meinem Leben herausgerieselt war.“ (S. 181)


Aber nicht nur ihr Schreibstil ist sehr anmutend. Sie entführt mich in eine vollständig neue Welt, die sehr stark asiatisch geprägt ist. Ohne aufdringlich zu sein, bringt sie in ihre Texte Kleinigkeiten ein, die das asiatische Bild vermitteln. Ob Töne, die durch die dünnen Papierwände dringen, ein Bruder, der ungeduldig mit den Stäbchen gegen seine Schüssel schlägt, die Rote-Bohnen-Paste, die in vielen Süßigkeiten eingearbeitet wird … Viele wunderschöne Details haben mich mit in die mir als gebürtige Europäerin fremde Welt genommen und verzaubert. Ein weiterer besonderer Aspekt der Geschichte war ihre Komplexität. Am Ende zeigte sich, wie viele verschiedene Handlungsstränge zusammengelaufen waren und ich wurde nicht nur von einer Wendung überrascht. Ganz nach meinem Geschmack war auch, dass die Liebesgeschichte zwischen Shiori und Takkan nicht im Vordergrund stand. Ihre Zuneigung zueinander baute sich allmählich auf und mir blieb seitenweises "Rosa-Brillen-Geschwafel" erspart.


Tatsächlich hatte ich zu Beginn ein paar Schwierigkeiten mit der Welt, in die ich eintauchen sollte. Bis jetzt haben sich auch noch nicht alle Fragezeichen gelöst. Zum Teil hatte ich widersprüchliche Aussagen gelesen, z.B. ob Drachen nun Götter sind oder nicht. Auch was der Unterschied zwischen Magier*innen und Zauberern / Hexen ist, ist mir bisher noch nicht ganz klar. Da die Fragen aber nicht zu größeren Verständnis-Problemen führten, habe ich sie erst einmal nur notiert und dann weitergelesen. Mehr zu meinen noch offenen Fragen erzähle ich dir gerne in meiner Inhaltszusammenfassung weiter unten.


Nachdem ihr nun also genau wisst, weshalb ich „Die sechs Kraniche“ gerne gelesen habe, gebe ich euch noch einen kleinen Einblick in die Geschichte. Bei der Verlobungsfeier, bei der Shiori ihren zukünftigen Ehemann kennenlernen soll, muss sie einen kleinen Papiervogel, der Beweis für ihre magischen Fähigkeiten, einfangen und springt dabei in den Heiligen See. Ein Drache rettet sie vor dem Ertrinken und die Beiden freunden sich an. Der Drache bringt ihr bei, ihre Magie zu gebrauchen und verrät ihr, dass ihre Stiefmutter ebenfalls magische Fähigkeiten besitzt. Shiori spioniert ihr daraufhin nach und muss mit ansehen, wie sie Shiori und ihren sechs Brüdern den Tod wünscht. Als Shiori ihre Brüder warnen möchte, verflucht ihre Stiefmutter die sieben Kinder. Die jungen Männer verwandeln sich von nun an jeden Tag in Kraniche, wohingegen Shiori eine Schale auf den Kopf gesetzt bekommt, die verhindert, dass sie ihre Magie verwenden kann. Ab hier beginnt Shioris spannende Reise durch das Land Kiata auf der Suche nach ihren Brüdern und der Lösung des Fluches.


Hier meine Einschätzung:

  • Genre: Fantastischer Abenteuerroman

  • Zielgruppe: eher weiblich, 14-25 Jahre

  • Spannung: 5 von 5 Sterne

  • Spaß: 4 von 5 Sterne

  • Charaktere: Schöne Entwicklung der Hauptperson; einzelne Phasen lassen sich gut nachvollziehen und die Selbstreflexion wirkt sympathisch.

  • Leseempfehlung: Dieses Buch nimmt dich mit auf eine Reise und du wirst zu jedem Zeitpunkt wissen wollen, wie es weitergeht. Als Vollzeit-Arbeitende habe ich ungefähr eine Woche gebraucht. Man sollte sich aber bewusst darauf einlassen, da die Geschichte doch recht komplex ist und ich an der ein oder anderen Stelle auch mal zurückgeblättert habe, um noch einmal ein paar Zeilen ein zweites Mal zu lesen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es im zweiten Teil der Duologie weitergeht und hoffe, dass sich alle Charaktere auch dort wiederfinden.


DEEP DIVE – ACHTUNG SPOILER!

Wer noch mehr über meine Meinung und Einblicke in „Die sechs Kraniche“ wissen möchte, ist hier genau richtig. Ich werde das ein oder andere Detail ausplaudern, das mir während des Lesens der Geschichte in den Sinn gekommen ist.


ALLGEMEIN.

Das Buch „Die sechs Kraniche“ von Elizabeth Lim lässt sich weitestgehend leicht lesen, ist poetisch geschrieben und erlaubt es mir als Leserin, in Shioris Welt einzutauchen. Mein Lieblingscharakter ist Megari, die kleine Schwester von Shioris Verlobten, die geradeheraus sagt, was sie denkt. Eine Besonderheit des Buches ist, dass Shiori in einem Großteil des Buches nicht spricht. Dennoch kommen ausgezeichnete Konversationen zustande.


Optisch fand ich das Cover sowie die dezente und elegante Ausgestaltung der Seiten sehr ansprechend gestaltet. Der goldene Farbschnitt rundet das Cover sehr schön ab. Tatsächlich hat mich das Design an eine Wüste erinnert, doch im größten Teil des Buches ist Winter, sodass ich eher eher kalten Farben für das Cover gewählt hätte. So erinnert das Design jedoch an einen asiatischen Zierde-Teppich, was wiederum sehr gut zur Geschichte passt.


PERSONEN UND BEZIEHUNGEN.

FAMILIE.

Shiori ist Prinzessin in Kiata, sechszehn Jahre alt und soll mit einem Adeligen dritten Rangs vermählt werden. Wie ich schon geschrieben habe, hat sie keinen Sinn für Politik oder Strategie und möchte lieber bei ihrer Familie in der Hauptstadt bleiben. Ich denke, sie hat in diesem Moment große Angst vor der Einsamkeit und den Pflichten des Erwachsen-Werdens. Sie möchte lieber tun, was immer ihr beliebt und das ist im ersten Teil des Buches, Magie zu erlernen.


Im Laufe der Geschichte, die sich ca. über ein halbes Jahr erstreckt, lernt Shiori, wie es ist, mittellos zu sein, offen für Neues zu bleiben, hart für das, was man erreichen möchte, zu kämpfen und ihren Willen zu stählern. Das hat nicht nur Folgen für ihren Charakter, sondern auch für ihr Aussehen. Um ihre Brüder zu schützen, spricht sie über ein halbes Jahr nicht ein Wort, denn mit jedem Laut, der über ihre Lippen kommt, würde einer ihrer sechs Brüder sterben. Shiori ist mutig, loyal und schöpft immer wieder neue Kraft, um die Personen zu schützen, die ihr am meisten am Herzen liegen.


Eine besondere Rolle, die ihr am Ende des Buches zuteilwird, ist die Rolle der Bluterbin. Sie trägt eine komplett neue Art der Magie in sich, die dazu genutzt werden kann, die Dämonen, welche in den Heiligen Bergen eingesperrt sind, zu befreien. Das macht sie zu einer Gefahr für die Weltordnung in Kiata.


Shioris sieben Brüder heißen Andahai, Benkai, Reiji, Yotan, Wandei und Hasho. Sie verwandeln sich nach dem Fluch jeden Tag bei Sonnenaufgang in Kraniche, doch sie schaffen es ganz gut, trotz der Tiergestalt ihre menschlichen Gedanken beizubehalten. Jeder der sechs hat einen eigenen Charakter, auf die auch immer wieder hingewiesen wird. Wenn ich ehrlich bin, verschwimmen die Charaktere jedoch zu einer Person. Hasho steht Shiori am nächsten, doch was die anderen explizit ausmacht, kann ich nach dem Lesen des Buches nicht konkret wiedergeben – es war zugegebenermaßen auch nicht so wichtig. Es hätten genauso gut drei Brüder sein können, aber die Zahl sieben steht in dem Buch für Stärke.


Ihr Vater Hanriyu wird nur selten beim Namen genannt. In der Regel wird vom „Kaiser“ gesprochen. Er wirkt im Allgemeinen sehr schwach und allein, dass sein Name so selten verwendet wird, zeigt, wie unwichtig er für die Geschichte ist. Seine Frau und Mutter der sieben Kinder ist bereits früh nach Shioris Geburt gestorben, sodass sich der Kaiser eine neue Gemahlin genommen hat. Diese Gemahlin wird Raikama „die Namenslose“ genannt.

Raikamas Charakter ist komplex. Sie liebt Shiori und die sechs Jungs, doch um sie zu beschützen, nimmt sie ihnen die positiven Erinnerungen an sie und verflucht sie später. Sie selbst ist eigentlich eine Art Menschenschlange, besitzt aber das wunderschöne Gesicht ihrer Schwester. Wenn sie jedoch Magie verwendet oder glücklich ist, schimmert ihr wahres Ich durch ihre Haut hindurch, sodass die goldenen Schuppen zum Vorschein kommen.


WEITERE CHARAKTERE.

Es gibt einige weitere Personen, die für die Geschichte wichtig sind. Damit du weißt, wer sie sind, bevor ich den Inhalt des Buches wiedergebe, gebe ich dir hier einen kurzen Einblick:


Kiki: Kiki wird häufig als Lieblingscharakter von Leserinnen und Lesern erwähnt. Ich habe jedoch nicht das Gefühl, dass sie ein eigenständiger Charakter ist. Kiki ist ein Papiervogel, den Shiori zum Leben erweckt hat. Die beiden kommunizieren über Gedanken und Kikis größter Zweck ist, dass Shiori sich mit ihren Brüdern austauschen kann. Ich persönlich habe das Gefühl, Kiki ist eine Art Gewissen, mit dem Shiori sich immer wieder in Selbstgespräche vertieft. Natürlich ist Kiki selbstständig und kann umherfliegen, Dinge entdecken und somit neue Informationen liefern, doch die Gespräche zwischen ihr und Shiori haben für mich etwas Monologartiges, in dem verschiedene Ansichten gegeneinander abgewogen werden.


Seryu: Der Drache, der Shiori zu Beginn das Leben rettet, heißt Seryu. Er ist der Lieblingsenkel des Drachenkaisers. Ich würde sagen, er ist in Shiori verliebt, auch wenn er sich sehr abfällig über Menschen äußert.


Takkan: Er ist Shioris Verlobter. Er ist klug, aufmerksam, geduldig und gutmütig. Er schreibt und malt Comics und ist dennoch geschickt mit dem Schwert und anderen Waffen. Er kann echt viel ziemlich gut – ist ja klar, dass Shiori sich irgendwann in ihn verliebt. Tatsächlich erinnert er an einen Disney-Prinzen auf den weißen Rössern, die natürlich sofort bereit sind, ihr Leben für die Prinzessin auf's Spiel zu setzen.


Megari: Sie ist Takkans Schwester. Sie hat keine größere Rolle, ist aber super niedlich, rebellisch wie Shiori und schließt Shiori auch sofort ins Herz, obwohl alle sagen, Shiori sei eine Dämonin.


Zairena: Die eigentliche Zairena ist tot, doch eine Priesterin der Heiligen Berge gibt sich für Zairena aus und erschleicht sich so Zugang zu Takkans Zuhause. Zairenas Ziel ist, Shiori zu verbrennen, um die Dämonen ewig in den Heiligen Bergen gefangen halten zu können, denn wie gesagt: Mit Shioris Blut lassen sich die Dämonen befreien.


Lord Yuji: Ist zunächst ein überaus freundlicher Mann, der es jedoch auf den Kaiserthron abgesehen hat. Wirklich überrascht hat mich seine Charkaterwandlung nicht.


Der Wolf: Er ist ein Zauberer, der Lord Yuji unterstützt, jedoch seine eigenen Ziele verfolgt.


INHALT DES BUCHES.

Der erste Satz und die erste Seite haben mich gepackt. Ich war sofort mit dabei und fragte mich: Wie geht es weiter? Das Buch beginnt tatsächlich mit dem Tod des Hauptcharakters. Wie ist das möglich? Ich dachte mir sofort, dass ich einen Zeitsprung in die Zukunft vor mir hatte, was sich kurz darauf bestätigte. Tatsächlich endete das erste Kapitel mit der ersten Seite. Eigentlich hatte ich mit einem größeren Rahmen gerechnet. Dadurch, dass ich am Ende des ersten Kapitels wieder am Anfang war, muss ich zugeben, dass ich die erste Seite, das erste Eintauchen als vollkommen unnötig empfand. Ich hätte die Geschichte auch weitergelesen, wenn der tolle Anfang zum Ende des ersten Kapitels gekommen wäre. Nichts desto trotz hat mich Elizabeth Lim gecatcht, also darf ich mich hier eigentlich nicht beschweren 😉.


Wir beginnen also mit der Verlobungszeremonie, bei der Kiki Shiori davonfliegt. Das Problem: niemand darf herausfinden, dass Shiori zaubern kann, also muss sie den Papiervogel wieder einfangen. Dabei springt sie in den Heiligen See, ertrinkt beinahe und wird von Seryu gerettet, der ihr ein Teil seiner Drachenperle übergibt. Der gekränkte Takkan reist ab und Shiori muss einen Wandteppich als Entschuldigung nähen. Während dieser Zeit trifft sie sich heimlich mit Seryu, der ihr das Zaubern beibringt. Von ihm erfahren sie und ich als Leserin jede Menge über Kiata.


In Kiata gab es mal Magie, aber sie wurde verboten. Angeblich soll Magie in Kiata nicht mehr wirken, doch Schritt für Schritt scheint sie in das Land zurückzukehren. Wer zaubert wird in die Heiligen Berge verbannt. Wie oben erwähnt, habe ich hier viele offene Fragen, die mir womöglich im zweiten Teil der Duologie beantwortet werden. Hier grob, was ich verstanden habe: Es gibt Zauberer (ich bin mir nicht sicher, ob die nur männlich sein dürfen), die natürlich zaubern können, aber sie sind an einen Eid gebunden, weswegen sie einer Person dienen müssen, die ein entsprechendes Amulett hat. Ich dachte hier, der Kaiser hat das, aber das stimmt offensichtlich nicht, denn später hat es Lord Yuji.


Wenn nun gerade niemand das Amulett besitzt, nehmen die Zauberer eine Tierform an. Bei dem Wolf ist das wenig überraschenderweise ein Wolf. Wenn Zauberer den Eid brechen und sich gegen ihren Herrn wenden, dann werden sie zu Dämonen und werden automatisch von den Heiligen Bergen angezogen. Sie sind dort gefangen, bis sie das Blut der Bluterbin berühren.


Es gibt wohl eine weitere Art der Magie, die von Magiern oder Magierinnen stammt. Shiori ist also keine Hexen, sondern eine Magierin. Ein großer Unterschied zwischen Zauberern und Magier*innen ist, dass Magier*innen, sterblich sind. Der zweite Unterschied ergibt sich dadurch, dass Magier*innen nicht an ein Amulett gebunden sind und daher auch nicht zu Dämonen werden können.


Drachenperlen sind die dritte Art und Weise, zaubern zu können. Drachenperlen gehören zu einem Drachen und können von diesem gestohlen oder freiwillig hergegeben werden. Sie schützen den Träger, aber wirken negativ und eigenwillig, wenn sie gegen den Willen des Eigentümers verwendet werden. Wie sich am Ende herausstellt, trägt Raikama beispielsweise die Drachenperle ihrer Schwester in sich. Gleichzeitig wird jedoch gesagt, dass diese Schwester ein Mensch war. Vielleicht war sie aber auch ein verwandelter Drache, denn Seryu kann schließlich auch eine Menschengestalt annehmen. Wie du siehst, stelle ich hier einige Vermutungen an, um mir die Magie in Elizabeth Lims Welt zu erklären.


Eine weitere Frage zur Welt ergibt sich durch die Betrachtung des Glaubens. Es gibt ein paar Götter, über die ich als Leserin immer wieder Bruchstücke erfahre. Im vierten Kapitel lese ich, dass Drachen Götter sind, aber das ergibt für mich im weiteren Verlauf wenig Sinn. Neben den Göttern und der Drachen gibt es weitere sagenumwobene Geschichten, aber so ganz hundertprozentig klar ist mir das Setting bis zum Ende nicht. Wichtig ist, dass Drachen sehr jähzornig sein können, ihnen wird nicht vertraut und sie werden auch als sehr selbstgerecht und auch eher als böse dargestellt. Mal sehen, wie es im zweiten Teil weitergeht, wenn Shiori sich gegen sie wenden will.


Nun aber zurück zur Geschichte. Shiori trainiert also ihre ganz eigene Magie der Belebung. Hier muss ich sofort daran denken, dass wenn sie das wirklich drauf hat, vielleicht das Geheimnis ewiger Jugend lösen kann. Aber ganz so leicht ist das zaubern nicht. Seryu muss leider auf eine familiäre Feier und kann daher ein halbes Jahr nicht bei ihr sein, empfiehlt ihr jedoch, auf Raikama zuzugehen, um Hilfe beim Zaubern zu erhalten. Da Shiori denkt, Raikama würde sie hassen, spioniert sie ihrer Stiefmutter hinterher. So beobachtet Shiori die folgende Situation: Raikama wäscht die goldene Schärpe, welche Shiori bei der Verlobungsfeier tragen sollte in einem heiligen Teich. Dabei steigen Schlangen daraus hervor, die sagen


„Stirb, Shiori!“ (S. 79).


Das veranlasst Shiori zu glauben, dass Raikama sie umbringen möchte. Im Nachgang kommt heraus, dass die Schärpe vergiftet gewesen war und somit Shiori den Tot bringen sollte, was die Schlangen erkannt hatten. In Angst und Schrecken versetzt läuft Shiori in dem Moment jedoch zu ihren Brüdern und auch sie müssen erkennen, dass Raikama Magie verwendet, die in Kiata verboten ist. Bevor sie jedoch ihrem Vater irgendetwas erzählen können, verflucht Raikama die Kinder: Die jungen Männer werden zu Kranichen und würden sich nur des Nachts in ihre menschliche Form zurückverwandeln. Shiori erhält eine Nussschale als Kopfbedeckung, die ihre Augen verdeckt und ihre Magie blockiert. Über allen sieben Kindern liegt außerdem der Fluch, dass niemand sie erkennen würde. Sollte Shiori nur ein Wort sagen, würde für jeden Laut, den sie von sich gibt, einer ihrer Brüder sterben.


Nach dem Fluch erwacht Shiori weit weg der Hauptstadt und arbeitet zunächst als Küchenmagd in einem Restaurant. Als Takkan zu Besuch kommt, will sie ihn bestehlen, wird dabei jedoch erwischt. Zu dem Zeitpunkt weiß Shiori noch nicht, dass es sich bei dem Mann um ihren Verlobten handelt. Er schenkt ihr trotz ihres versuchten Diebstahls ein Armband mit seinem Wappen und Geld, von dem Shiori sich einen Kahn kauft. Mit diesem Kahn macht sie sich auf die Suche nach ihren Brüdern. Da Kiki mit allen Tieren sprechen kann, gibt es bald ein Wiedersehen mit den sechs Brüdern und die jungen Männer erzählen ihr, dass sie ein Sternenkrautnetz knüpfen und damit Raikamas Drachenperle stehlen muss. Dabei soll sie deren wahren Namen aussprechen. Obwohl dies bedeutet, dass einer ihrer Brüder sterben muss, beschließen sie, das Sternenkraut zu holen. Dieses Kraut wird von den Drachen bewacht und als Shiori genug gesammelt hat, wird Seryus Großvater wütend. Er tobt, lässt die sieben Kinder jedoch unter der Prämisse gehen, dass Shiori ihm Raikamas Drachenperle bringt.


Shiori beginnt mit der Arbeit, das Kraut zu einem Netz zu knoten. Sie trägt es immer bei sich und wird bei einem Ausflug gefangen genommen. Sie landet direkt in Takkans Schloss. Aufgrund der Schale auf Shioris Kopf und der Tatsache, dass sie nicht spricht, wird sie für eine Dämonin gehalten und ist nicht besonders hoch angesehen. Da sie jedoch Takkans Wappen bei sich getragen hat, wird Shiori freigelassen und darf in der Küche arbeiten. Während Shiori sich einlebt und das Netz immer weiter knüpft, macht ihr Zairena das Leben auf der Burg schwer. Sie verteidigt Shioris schlechten Ruf und macht ihr deutlich, dass sie trotz Takkans Freundlichkeit nicht erwünscht ist.


Wer nun denkt, dass während Shioris Anwesenheit auf der Burg, Langeweile aufkommt, der täuscht sich gewaltig, denn ein Mord geschieht innerhalb der Burgmauern und Zairena beobachtet missbilligend, wie sich Takkan und Shiori näherkommen. Gleichzeitig ist die politische Lage heikel, denn der Kaiser ist durch das Verschwinden der Kinder und Erben geschwächt. Feindliche Länder greifen an und auch Feinde im Land machen sich stark. So wird auch Takkans Burg angegriffen, da er immer noch zum nun kinderlosen Kaiser hält und sich immer wieder auf die Suche nach den Sieben macht, um seine Braut doch noch irgendwann zu finden.


Während ihrer Zeit im Schloss kommen Shiori Zweifel, ob Raikama böse ist, denn immerhin hatte sie die sieben nicht getötet, was ein Leichtes gewesen wäre, sondern nur verflucht. Auf dem Winterfest gesteht Takkan Shiori gegenüber endlich seine Liebe, erzählt aber auch, dass Lord Yuji eine Armee zusammengestellt hat und der böse Zauberer Wolf ihm gehorcht. Er wolle gehen und den Kaiser unterstützen.


Sobald er weg ist, wird Shiori gefangen genommen. Der Vorwurf: Sie ist eine Dämonin und soll verbrannt werden. Eingefädelt hatte das Zairena, die in Wirklichkeit eine Priesterin der Heiligen Berge ist. Sie hatte schon mit der goldenen Schärpe versucht, Shiori zu töten, und hatte sich seit Raikamas Fluch in Takkans Nähe aufgehalten, falls seine Suche doch noch erfolgreich sein würde. Es wird ein Scheiterhaufen errichtet auf dem Shiori in Dämonenfeuer verbrannt werden soll. Mit dem Sternenkrautnetz stiehlt Zairena ihr die Drachenperle, die sie vor dem Feuer schützt. In letzter Sekunde kommt Takkan zurück und rettet Shiori das Leben. Wie er rechtzeitig weiß, in welcher Gefahr Shiori schwebt, weiß ich leider nicht – das ist wohl das Disney-Glück, dass ihm da widerfahren ist. Auf jeden Fall stürzt er sich ins Feuer und als Shiori ihr Schweigen bricht, um ihn zu retten, zerspringt die Schale auf Shioris Kopf, das Feuer erlischt und erst mal scheint alles gut zu sein.


Doch Yujis Armee verfolgte wohl Takkan und erschießt zum Glück aller Zairena. Das nächste Problem war nun also Yujis Armee, doch der Wolf gelangt in Besitz von Shioris Drachenperle und wendet sich dann gegen seinen Herrn. Er erdolcht ihn und die Soldaten laufen davon. Der Wolf wird zum Dämon und verschleppt Shiori zu den Heiligen Bergen, zu denen er wie von Geisterhand gezogen wird. Raikama bekommt das mit und hilft Shiori aus den Dämonenbergen hinaus.


Nun zeigt sich auch, dass Raikama die sieben Kinder all die Zeit geliebt und den Fluch nur zu ihrem Schutz ausgesprochen hatte. Da die Drachenperle ihr jedoch nicht gehört, erfüllt sie den Wunsch, die Kinder zu verstecken, doch der Zauber wirkte anders als gedacht, sodass die Männer sich immer in Kraniche verwandelten und Shiori ihre Schale nicht absetzen konnte. Von der Rettungsaktion geschwächt, verlangt Raikama von Shiori ihr die Drachenperle abzunehmen, denn da sie die Perle nicht freiwillig erhalten hat, schmerzt sie ihr in ihrem Herzen. Shiori erfüllt ihrer Stiefmutter den Wunsch, doch dadurch verstirbt diese. Die Beziehung zwischen Shiori und Raikama ist besonders und wandelt sich während des Buches von einem Extrem ins andere. Der Übergang ist jedoch sehr langsam und nachvollziehbar gestaltet, sodass er nicht unnatürlich wirkt, sondern leicht von mir als Leserin akzeptiert werden kann und ich sogar mit der vermeintlich bösen Stiefmutter mitfühle.


Zum Finale kamen wirklich gute Geschichtsstränge zum Vorschein, die zuvor nicht so leicht ersichtlich waren. Vielleicht habe ich ein paar Details übersehen, doch ich war sehr überrascht von den vielen Wendungen, die auf den letzten Seiten auf mich warteten. Leider kamen die einzelnen Lösungen sehr schnell, sodass innerhalb weniger Kapitel vieles aufgedeckt und zugleich abgeschlossen wurde. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Zeit zur Verarbeitung des Geschehenen und zur Entwicklung einer komplett plausiblen Lösung gewünscht. Nichtsdestotrotz war Shioris Geschichte zu jedem Zeitpunkt spannend und ich habe die Charaktere liebgewonnen. Ich bin nun gespannt, ob Shiori Raikamas Drachenperle ihrem Besitzer zurückbringen und den Drachenkaiser austricksen kann. Ich hoffe nur, dass die anderen Charaktere dann immer noch mit dabei sind, denn ich würde sie definitiv vermissen 😊.




18 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen